„Show, don’t tell“ ist wohl einer der meistzitierten Ratschläge in der Schreibberatung – und gleichzeitig einer der am meisten missverstanden. Was bedeutet er eigentlich? Und noch wichtiger: Wie setzt du ihn konkret in deinem Manuskript um?

Was bedeutet „Show, don’t tell“?

Im Kern geht es darum, dass du als Autorin nicht einfach beschreibst, wie sich eine Figur fühlt oder was passiert – sondern es durch Handlungen, Gesten, Sinneseindrücke und Szenen erlebbar machst. Du zeigst, anstatt zu berichten.

Ein einfaches Beispiel:

Telling: „Maria war nervös.“

Showing: „Maria trommelte mit den Fingernägeln auf den Tisch. Sie schaute zur Tür. Wieder zurück. Ihre Kaffeetasse war längst kalt.“

Im zweiten Fall erlebst du die Nervosität – du wirst nicht darüber informiert.

Warum ist Showing wirkungsvoller?

Wenn Leserinnen und Leser Schlüsse selbst ziehen dürfen, fühlen sie sich aktiv beteiligt. Das erzeugt emotionale Resonanz und eine tiefere Bindung an die Geschichte. Telling hingegen hält die Leserin auf Abstand – sie ist Zuschauerin, nicht Teilnehmerin.

Wann ist Telling trotzdem richtig?

Hier wird es interessant: Showing ist nicht immer besser. Bei reinen Übergangspassagen, beim schnellen Zeitraffer oder bei unwichtigen Details wäre es verschwendete Energie, alles auszuerzählen. „Die nächsten drei Wochen vergingen ereignislos“ ist völlig legitim – denn niemand möchte drei Wochen Langeweile in Echtzeit erleben.

Konkrete Übung für dein Manuskript

Nimm eine Seite deines Textes und markiere alle Stellen, an denen du Emotionen direkt benennst. Überlege für jede Stelle: Ist diese Emotion so wichtig, dass sie eine Szene verdient? Wenn ja, rewrite sie. Wenn nicht, kürze sie einfach.

Fazit

„Show, don’t tell“ ist kein absolutes Gesetz, sondern ein Werkzeug. Eingesetzt mit Bedacht macht es deine Prosa lebendig, deine Figuren greifbar und deine Leserinnen zu echten Begleiterinnen deiner Geschichte.

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