Diese Frage stellen mir Self-Publisher regelmäßig – und sie ist absolut berechtigt. Denn nicht jedes Manuskript braucht dasselbe, und nicht jedes Budget lässt beides zu. In diesem Beitrag helfe ich dir dabei, eine fundierte Entscheidung zu treffen: Wann ist ein Lektorat wirklich notwendig, wann reicht ein Korrektorat – und wann brauchst du vielleicht sogar beides?
Die kurze Antwort: Es kommt auf den Zustand deines Manuskripts an
Ob Lektorat oder Korrektorat die richtige Wahl ist, hängt vor allem davon ab, in welchem Zustand sich dein Text befindet und welches Ziel du verfolgst. Ein Manuskript, das noch im Entstehen ist oder das du nach dem ersten Entwurf gerade fertiggestellt hast, braucht etwas anderes als ein Text, der bereits mehrfach überarbeitet wurde und kurz vor der Veröffentlichung steht.
Wann brauchst du ein Lektorat?
Ein Lektorat ist dann sinnvoll, wenn dein Manuskript auf inhaltlicher, struktureller oder stilistischer Ebene noch Potenzial hat – oder wenn du dir nicht sicher bist, ob das der Fall ist. Konkret empfehle ich dir ein Lektorat in diesen Situationen:
- Du hast deinen ersten oder zweiten Entwurf fertig und möchtest wissen, ob der Aufbau und die Argumentation überzeugen.
- Dein Buch soll ein bestimmtes Publikum ansprechen, und du bist dir nicht sicher, ob Tonalität und Sprache wirklich passen.
- Du schreibst Belletristik und möchtest, dass Charaktere, Handlungsbogen und Dialoge professionell bewertet werden.
- Du schreibst ein Sachbuch und möchtest sichergehen, dass deine Argumente klar, verständlich und logisch aufgebaut sind.
- Du zweifelst an deinem Schreibstil – z. B. ob deine Sätze zu lang sind, ob du dich wiederholst oder ob der Text lebendig genug ist.
- Du möchtest das Beste aus deinem Buch herausholen, bevor es in den Satz und zur Veröffentlichung geht.
Ein Lektorat ist eine Investition in die Qualität deines Buches. Es kann unbequeme Rückmeldungen geben – aber genau das ist sein Mehrwert. Eine gute Lektorin sieht, was du selbst nicht mehr siehst, weil du zu nah am Text bist.
Wann reicht ein Korrektorat?
Ein Korrektorat allein ist dann ausreichend, wenn du absolut sicher bist, dass dein Manuskript inhaltlich und stilistisch fertig ist. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn:
- Du bereits mehrere Überarbeitungsrunden selbst durchgeführt hast und Feedback von anderen Lesenden eingeholt hast.
- Das Manuskript schon von einer Lektorin begleitet wurde und jetzt nur noch die finale Fehlerkorrektur fehlt.
- Es sich um einen kurzen Text handelt (z. B. einen Blogbeitrag oder eine Pressemitteilung), bei dem der Inhalt klar definiert ist.
- Du einen sehr engen Zeitrahmen oder ein sehr kleines Budget hast – dann ist ein Korrektorat besser als gar keine professionelle Bearbeitung.
Aber Vorsicht: Viele Autorinnen und Autoren überschätzen den Zustand ihres Manuskripts. Wir lesen unsere eigenen Texte mit einem „inneren Autopiloten“ – wir sehen, was da sein sollte, nicht unbedingt das, was wirklich da steht. Ein reines Korrektorat korrigiert keine inhaltlichen Schwächen, keine Logikbrüche und keinen matten Stil.
Und wenn das Budget begrenzt ist?
Das ist eine realistische Frage, die ich direkt ansprechen möchte. Wenn du nur zwischen Lektorat und Korrektorat wählen kannst, empfehle ich in den meisten Fällen: Wähle das Lektorat. Denn ein gutes Lektorat schließt häufig auch kleinere Korrekturen ein, und es verbessert die Substanz deines Textes – was langfristig wichtiger ist als makellose Kommasetzung.
Alternativ kannst du nach einem kombinierten Angebot fragen – viele freie Lektorinnen bieten Pakete an, die Lektorat und Korrektorat zusammenfassen.
Fazit: Erst lektorieren, dann korrigieren
Die richtige Reihenfolge ist entscheidend: Erst kommt das Lektorat, dann das Korrektorat. Es wäre sinnlos, einen Text auf Rechtschreibfehler zu prüfen, bevor klar ist, ob ganze Absätze umgeschrieben oder gestrichen werden. Nimm dir die Zeit, deinen Text wirklich professionell aufzubereiten – deine Leserinnen und Leser werden es merken.
