Nach vielen Jahren als Lektorin kenne ich die Muster. Bestimmte Fehler tauchen immer wieder auf – in Manuskripten von Erstlingsautorinnen genauso wie bei erfahrenen Schreiberinnen. Ich zeige dir die häufigsten, damit du sie gezielt im Blick behalten kannst.
1. Zu viele Adjektive und Adverbien
„Sie lief schnell die Treppe hinunter und warf nervös einen kurzen Blick über ihre schmale Schulter.“ Überladene Sätze bremsen den Lesefluss. Starke Verben brauchen keine Krücken. „Sie hetzte die Treppe hinunter und riskierte einen Blick zurück“ – das ist kürzer und wirkungsvoller.
2. Passive Konstruktionen
Das Passiv hat seinen Platz – aber im Übermaß entzieht es dem Text die Energie. „Die Tür wurde geöffnet“ – von wem? Wer handelt hier? Aktive Konstruktionen schaffen Klarheit und Dynamik.
3. Wiederholungen auf Wortebene
Dasselbe Wort dreimal auf einer Seite fällt auf. Dasselbe Wort zweimal im selben Satz fällt noch mehr auf. Variiere – aber nicht um der Abwechslung willen, sondern wenn es den Text besser macht.
4. Erklärungen, die nicht nötig sind
„Sie lachte – sie war glücklich.“ Wir wissen das. Der Lacher hat es uns gezeigt. Solche erklärenden Nachsätze entstehen aus dem Wunsch, verstanden zu werden – aber sie unterschätzen die Leserin.
5. Zeitsprünge ohne Orientierung
Wenn sich Szenen und Zeitebenen abwechseln, muss die Leserin immer wissen, wo und wann sie sich befindet. Fehlende Orientierungsmarker sind einer der häufigsten Gründe, warum Leserinnen aus einem Text herausfallen.
Fazit
Kein Manuskript ist fehlerfrei – das ist normal und kein Zeichen schwacher Autorschaft. Aber wer diese häufigen Fallstricke kennt, kann beim Überarbeiten gezielter hinschauen.
