Manchmal werde ich gefragt: „Du arbeitest doch den ganzen Tag mit Texten – hast du selbst eigentlich auch Schreibblockaden?“ Die ehrliche Antwort: Ja. Und ich glaube, dass das wichtig ist, um diesen Job gut zu machen.
Schreibblockaden sind kein Zeichen von Schwäche
Ich habe in meiner eigenen Schreibpraxis gelernt, was es bedeutet, vor einem leeren Dokument zu sitzen und das Gefühl zu haben: Nichts von dem, was ich schreibe, ist gut genug. Dieser innere Kritiker ist vielen Autorinnen vertraut. Und er ist besonders laut, wenn man weiß, wie gute Texte klingen sollten.
Was mir hilft
Für mich persönlich hilft es, den Anspruch zunächst bewusst herunterzusetzen. Ich nenne es das „Schlechte-Version-Prinzip“: Ich erlaube mir ausdrücklich, eine schlechte Version zu schreiben. Nur damit etwas auf der Seite ist. Dann gibt es etwas zu überarbeiten – und das ist viel leichter als der Sprung ins Nichts.
Was das mit meiner Arbeit als Lektorin zu tun hat
Weil ich weiß, wie es sich anfühlt, zu kämpfen, gehe ich mit Manuskripten anders um. Ich sehe nicht nur den fertigen Text – ich sehe auch die Arbeit, die Zweifel, die Überwindung dahinter. Das macht mich, glaube ich, zu einer empathischeren Lektorin.
Fazit
Wenn du das nächste Mal feststeckst: Du bist in guter Gesellschaft. Schreiben ist schwer. Aber es wird leichter – und das Schreiben ist das Einzige, das dich da herausbringt.
