Ich werde oft gefragt: Wie sieht dein Arbeitstag eigentlich aus? Was machst du den ganzen Tag – liest du einfach nur? Die ehrliche Antwort: Es ist deutlich abwechslungsreicher (und manchmal turbulenter), als man von außen denkt.
Kein Tag ist wie der andere
Das ist vielleicht das Erste, was ich über meinen Beruf sagen würde: Routine gibt es – aber nie Monotonie. Natürlich gibt es wiederkehrende Strukturen, aber jedes Manuskript ist anders, jede Autorin und jeder Autor hat andere Bedürfnisse, und die Art der Arbeit variiert je nach Projektphase enorm.
Morgens: E-Mails, Planung, Erstkontakte
Mein Morgen beginnt meistens mit einem Blick in die E-Mails. Autorinnen und Autoren schicken Fragen, neue Anfragen trudeln ein, laufende Projekte werfen Rückfragen auf. Ich nehme mir morgens bewusst Zeit für Kommunikation – bevor ich in die inhaltliche Arbeit eintauche, weil ich dann klarer denke und konzentrierter antworten kann.
Außerdem plane ich meinen Tag: Welches Manuskript steht heute an? Wie weit bin ich, und was ist mein Ziel für heute? Ich arbeite mit realistischen Tagespensen – Lektorat ist Konzentrationsarbeit, und mehr als ein bestimmtes Seitenpensum ist selten sinnvoll.
Vormittags: Die Kernarbeit am Manuskript
Der Vormittag gehört dem Manuskript. Das ist die Zeit, in der ich am fokussiertesten bin – also nutze ich sie für die anspruchsvollsten Aufgaben: inhaltliche Lektoratsarbeit, Stilüberarbeitungen, das Schreiben von Gutachten oder Anmerkungen.
Ich lese nicht einfach – ich lese mit einem Blick auf mehreren Ebenen gleichzeitig. Stimmt der Aufbau? Ist die Sprache klar? Was will die Autorin sagen, und kommt das wirklich so an? Diese Art des aktiven Lesens ist konzentrierte Arbeit.
Nachmittags: Buchsatz, Administration, Weiterbildung
Nachmittags wechsle ich manchmal die Tätigkeit: Buchsatz-Projekte, organisatorische Aufgaben (Rechnungen, Verträge, Projektplanung) oder Weiterbildung. Ich lese regelmäßig Fachliteratur, halte mich über Trends im Self-Publishing-Markt auf dem Laufenden und tausche mich in der Lektorat-Community aus.
Was viele nicht sehen: das Drumherum
Neben der eigentlichen Lektorats- und Satzarbeit gehört zu meinem Alltag auch: Marketing, Buchhaltung, Angebote schreiben, die Website pflegen, Blogtexte verfassen (wie diesen hier!), Netzwerken. Freiberuflichkeit bedeutet, gleichzeitig Dienstleisterin, Geschäftsführerin und Marketingabteilung in einer Person zu sein.
Das klingt vielleicht viel. Aber ich habe meinen Beruf aus freien Stücken gewählt – und ich tue ihn mit echter Überzeugung. Jedes Manuskript, das durch meine Hände geht, bringt mich in Kontakt mit einer Geschichte, einer Idee, einer Welt, die ohne diese Autorin oder diesen Autor nicht existieren würde. Das ist ein Privileg, das ich jeden Tag schätze.
